Die Kwakitul-Indianer

 

 

Die Dörfer der Kwakitul- Indianer bestehen aus Plankenhäusern, die aus Zedernholz gebaut wurden. Jedes Haus hatte einen eigenen Namen, sein eigenes Wappen und eine charakteristische Identität.


Jedes Haus besass eine Blendfassade, auf der mystische Mörderwale und Donnervögel, Grizzlybären und Raben dargestellt waren.


Die Tür war wie ein aufgerissener Mund gestaltet, es war als Warnung, dass nur die Würdigen eintreten konnten ohne Schaden zu nehmen. Ein anderer Eingang ruft symbolisch den Geburts- und Todeszyklus in Erinnerung.


Am anderen Ende des Strandes steht ein Haus aus Zedernholz, verziert mit Schnitzereien, die Sisiytul, die doppelköpfige Schlange, darstellen.


Wappenpfähle, von oben bis unten mit weiteren mystischen Tieren verziert.


Auf hölzernen Plattformen, die über die von Einbäumen bedeckte Wasseroberfläche aufragen, verbringen die Kwakitul ihre Zeit mit Ausruhen, Gesprächen, Arbeiten und Reden halten.


Der höchste Häuptling würde wahrscheinlich Gäste mit diesen Worten in seinem Haus einladen:


Dies ist das Haus meines Ur-Ur Grossvaters Mahwa, der euch hierher eingeladen hat.


Dies ist das Haus meines Ur- Grossvaters Mahwa, der euch nach Sandy Beach eingeladen hat.


Dies ist das Haus meines Grossvaters Mahwa, der euch nach Crooked Beach eingeladen hat.


Dies ist das Festhaus meines Vaters, der euch in Tidy Beach eingeladen hat.


Jetzt habe ich den Platz meines Vaters eingenommen.


Ich lade euch ein, Stämme, auf das ihr hier in mein Haus kommen möget, es euch anzusehen.


Wenn man auf diese Einladung in das Haus gehen würde, bekäme man dies ins Gesichtfeld; vier massige Stützbalken, jeder von ihnen zu einem riesigen hakenschlagendem Donnervogel. Im quadratischen abgegrenzten Mittelteil befindet sich eine glimmende Feuerstelle. Hier und da sieht man geschnitzte Rückenstützen, die wiederum mit Wappen und mystischen Tieren verziert sind, doch die sind den Adeligen der Familie vorbehalten.


Jede Feuerstelle erwärmt einen höher gelegenen Schlafplatz. Diese Abteile sind da, um halbprivate Refugien zu schaffen. Das Schlafabteil des Häuptlings liegt in der Mitte, nahe dem hinteren Ende des Hauses. Dies ist der Ehrenplatz. Niederrangige haben ihre Schlafstätten an den Seiten. Sklaven schlafen nahe am Feuer.


Über Kopfhöhe sind hölzerne Trockengerüste angebracht, um den Vorrat aufzubewahren. Mit Schnitzereien verzierte Holzkisten entlang den Wänden enthalten weitere Speisevorräte.


Wieder andere Kisten dienen für die Aufbewahrung des Festtagsgeschirres, Pelze, Knopfdecken, Löffel und Rasseln.


Mehrere kunstvoll gearbeitete Zedernholz- Stacheln stehen in den Bereich des Hauses, wo nur der Häuptling Zugang hat. In diesem Trühchen werden die traditionellen Tanzmasken aufbewahrt. Manche Masken erinnern an den Kampf mit Dämonen und deren Familien, andere wiederum dienen als Unterhaltung und sollen das Publikum in Erstaunen versetzen.


Wie die Häuser haben auch die Masken ihre eigenen Namen.


Diese Masken sind unverkäuflich. Man muss sie sich verdienen. Richtig getragen werden diese Masken lebendig, sie führen Schrecken oder Stolz dem Besitzer zu. Der Tänzer, der die Maske trägt, wird für Augenblicke ein anderer.


Die wichtigste Kiste enthält die Klauen der Grizzlybären-Tänzer , die während der Winterzeremonie von den Männern des Grizzlybären Bundes getragen werden.


Mit diesem Machtpotenzial versetzt der Tänzer die Zuschauer in Angst und Schrecken und versucht, das korrekte Verhalten durchzusetzen.


Eine andere Kiste enthält eine Verwandlungsmaske. Der Tänzer erscheint zunächst blau-rot gefiedert, wie der Adler. Durch eine Zugvorrichtung mit einer Tiersehne lässt er die Maske schlagartig aufklappen und der Tänzer wir zu einem , mit Hakennase geformten, Menschen. So verwandelt sich der Tänzer in seine Ahnen.


Die Masken werden aus den Kisten geholt, wenn alte Familien- Traditionen wahrgenommen werden. Diese Anlässe sind: Hochzeit, Geburt, Tod und Transfeuer. Die Kwakitul setzen solche Erinnerungen in das Kirchenbuch ein. Mythen und Rituale stehen in der grossen Familien-Bibel.


Erzählerisch ausgeschmückte Familiengeschichten wurden von den Indianern mit einem bestimmten Numaym oder „Hqus“ identifiziert.


Jedes Numaym besaß ein oder mehrere Plankenhäuser, diese hatten ihre eigene Ursprungstradition, besaß das Recht auf Ressourcen und Titel sowie zeremonielle Vorrechte.


Es unterstand einem Häuptling, der sich durch seine Abstammung vom Stammesvater des Hauses legitimierte.

 

Häuptlinge niederen Ranges wohnten im Haus des Numaym . Als Gegenleistung, dass er das „ "Vermögen“ des Hauses verwaltete, erhielt der ranghöchste Häuptling von Allem, was auf dem Territorium des Numaym erbeutet und gesammelt wurde, einen Teil.


Das Häuptlingsamt wurde vom ältesten Kind an das älteste Kind - ob Sohn oder Tochter - weiter gegeben. Andere Positionen im Numaym wurden gleichfalls an die nächste Generation vererbt.


Wer seinen Sitz im Numaym einnehmen wollte, musste ein „Potlatch“ veranstalten, eine Wertveräusserungs Zeremonie. Wenn eine Braut ins Haus ihres Vaters zurückkehren wollte, musste sie ihre Besitztümer abtreten, um ihre Position als Erbin festzulegen und damit ihrem Sohn für die künftige Übernahme von Sitz und Titel ihres Vaters zu autorisieren.


Wenn ein Kind einen Namen eines Ahnen annahm, so musste auch ein „Potlatch“ veranstaltet werden. Das wichtigste „ Potlatch“ hiess „Grosses Werk“, es fand statt, wenn ein Adeliger einen rituellen Namen annahm – und die entsprechende Position einnahm; eine der überaus wertvollen Kupferplatten tauschte man bei einer Heirat, wenn man einen Gedenkpfahl errichtete, oder beim Bau eines neuen Haus ein.


Die Nordwestküste wurde zur Heimat der TLINGIT, TSMSHIAN, der HAIDA und der KWAKITUL.


Obwohl sie weder Ackerbau noch Töpferei kannten, entwickelten diese Völker einen verschwenderischen Lebensstil und ein reiches Zeremoniealwesen, in dem Besitz, Rang und persönlicher Stolz ihren Platz hatten.

 


Bericht: Red Cloud